Presse

Pressemitteilungen der Dresdner Bank

Wenn der virtuelle Hammer fällt

(Quelle: "wir", Mitarbeitermagazin der Dresdner Bank,
Ausgabe 213, Juni 2000)


In Zusammenarbeit mit der Technischen Universität München hat die Dresdner Bank ihre erste Online-Auktion veranstaltet. 14 Anbieter von Ökostrom für das Hochhaus in der Zentrale nahmen an der Versteigerung über das Internet teil.

"Zehn, neun, acht, sieben ... drei, zwei, eins - bingo!", schallt es durch den "Kinosaal" des Hochhauses der Dresdner Bank, als nach zweieinhalb spannenden Stunden der virtuelle Hammer fällt. Nach mehrmonatiger Vorbereitung findet hier ein Novum in der Bank statt: keine gewöhnliche Versteigerung wie in einem Auktionshaus, sondern eine Auktion via Internet.

Informatiker der Technischen Universität (TU) München hatten eine Software entwickelt, die die Ersteigerung von Zulieferware per Internet ermöglicht. Die Bewährungsprobe der Tüftler nahte, als der Konzernstab Beschaffungs- und Flächenmanagement (KS BFM) der Dresdner Bank angesichts der Liberalisierung des Strommarkts den Beschluss fasste, den Grundlastbedarf an Strom für das Hochhaus der Zentrale in einer Online-Auktion einzukaufen. Ein lukratives Geschäft: Immerhin beläuft sich der Bedarf auf sieben Millionen Kilowattstunden. 14 Stromanbieter bewarben sich, darunter einer aus der Schweiz. Alle erhielten einen Leitfaden mit den technischen, organisatorischen und kaufmännischen Rahmenbedingungen. Nachverhandlungen waren somit von vornherein ausgeschlossen. Grundvoraussetzung für die Auftragserteilung: die Belieferung mit Strom aus nachweislich regenerativen Quellen.

Die Bühne des Geschehens am Versteigerungstag ist die Internetseite "virtuelle-maerkte.de". Im Kinosaal des Hochhauses wird sie auf eine große Leinwand projiziert. Außer dem Auktionator, einer Gruppe von Informatikern der TU-München, sind Einkäufer Helmuth Deisenroth, Leiter der Abteilung Allgemeine Beschaffung, und Jürgen Klein, derzeit delegierter Mitarbeiter der Niederlassung Stuttgart im KS BFM, anwesend. Auch beim KS BFM in der Windmühlstraße verfolgt man den Stromhandel. Bereichsleiter Richard Ottemann hat Fachleute aus verschiedenen Aufgabenfeldern, etwa Umweltschutz und Energieeinkauf, eingeladen, außerdem Rohstoffhändler von Dresdner Kleinwort Benson, Global Markets und der FK-Betreuung. Als um Punkt zehn Uhr die zweistündige Auktion anfängt, sind neun potenzielle Lieferanten am Start. 20 Minuten später sind alle 14 Bewerber im Netz präsent. Von nun an geht es Schlag auf Schlag: Etwa alle zwei Minuten zeigen kleine blaue Dreiecke ein neues Gebot auf dem Bildschirm; manchmal liegen sogar nur 15 Sekunden zwischen zwei Meldungen. Schon um 11.45 Uhr ist mit der 71. Offerte der von Helmuth Deisenroth und seinem Team festgesetzte Zielpreis von 64,29 Prozent erreicht. Er liegt 35,71 Prozent unter dem Anfangspreis, der den Bietern vorab mitgeteilt wurde. Ein Raunen erfüllt den Saal, denn was man hoffte, ist eingetreten. "Die Festlegung des historischen oder Anfangspreises und des Zielpreises gibt den Bietern den nötigen Spielraum", erklärt Helmuth Deisenroth. "Sind aber die Erwartungen des Versteigerers zu hoch, dann schwindet die Möglichkeit der Preisgestaltung für die Bieter schnell. Und der angestrebte Wettbewerb bleibt aus. Allerdings war das bei uns erfreulicherweise nicht der Fall."

Am Tag der Versteigerung geht es um zwölf Uhr in die Verlängerung, die von Anfang an als Möglichkeit in Aussicht gestellt worden war. 15 Minuten danach kämpfen noch drei Lieferanten um den Zuschlag. Die Regel: Innerhalb von drei Minuten müssen sie ein neues Angebot abgeben, sonst schaltet das Programm ab. Vier Sekunden vor dem unwiderruflichen Auktionsende erscheint das 109. und damit letzte Gebot. Bingo! "46 Prozent Preisreduzierung! Was wollen Sie mehr?", ruft ein Informatiker Helmuth Deisenroth zu. Im Beschaffungswesen knallen derweil die Sektkorken. Ob herkömmliche Verhandlungen nicht den gleichen oder sogar einen niedrigeren Preis erbracht hätten, ist für Deisenroth keine Frage: "Das Ergebnis zeigt, dass die gerade hier praktizierte transparente Wettbewerbssituation am Bildschirm ein nicht zu unterschätzender psychologischer Faktor ist. Angespornt durch diese positive Erfahrung, will die Bank nun weitere Analysen von auktionsgeeigneten Beschaffungsgütern durchführen."

Maike Steinmüller

Die erste Online-Auktion der Dresdner Bank

  • Vorbereitung:
    Informatiker an der Technischen Universität München entwickelten im Arbeitskreis "Virtuelle Märkte" die Auktionssoftware unter der Leitung von Horst Wildemann, Professor für Betriebswirtschaft und Logistik. Von der Dresdner Bank waren dabei: Helmuth Deisenroth, Leiter der Abteilung Allgemeine Beschaffung, und Jürgen Klein, zurzeit delegierter Mitarbeiter der Niederlassung Stuttgart im Konzernstab Beschaffungs- und Flächenmanagement.


  • Ziel:
    Einkauf von sieben Millionen Kilowattstunden Strom aus regenerativen Quellen für das Hochhaus in der Zentrale.


  • Ablauf:
    14 Bieter kämpfen zweieinhalb Stunden um den Zuschlag und geben 109 Gebote ab.


  • Ziel:
    Im Vergleich zu den bisherigen Ausschreibungsverfahren wird die Zeitspanne zur Abgabe verbindlicher Angebote von mehreren Wochen auf wenige Stunden reduziert. Die Transparenz erzeugt eine gesteigerte Wettbewerbssituation und der Zuschlag fällt entsprechend schneller und günstiger aus: Die Stromeinkäufer sparen 46 Prozent.